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Guter Heinrich

Biodiversitätskonzept Artenschutz Flora

Die Biologischen Stationen Hochsauerlandkreis und Soest setzen sich seit Jahrzehnten für den Erhalt einer artenreichen Tier- und Pflanzenwelt in ihren Kreisgebieten ein. Trotz dieser umfangreichen Bemühungen gibt es Pflanzenarten, die in ihrem Bestand hochgradig gefährdet sind. Manche dieser Arten sind von Natur aus selten. Dazu gehört im Sauerland die Alpengänsekresse an den Bruchhauser Steinen oder der Echte Sellerie an wenigen Salzstandorten entlang des Hellwegs.
Andere Pflanzen kommen aufgrund sich ändernder Landnutzung nur noch in einigen wenigen Populationen vor, so etwa der der Feldenzian im Raum Brilon-Marsberg oder der Große Ackerfrauenspiegel auf extensiv genutzten Kalkscherbenäckern im Kreis Soest.

Um die gefährdeten Pflanzenarten dauerhaft zu erhalten und die Bestände zu fördern, haben die Biologischen Stationen ein gemeinsames Modellprojekt entwickelt. Die Förderung erfolgt über das Umweltministerium des Landes NRW, die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) und die Nordrhein-Westfalen-Stiftung. Über fünf Jahre (Start Mai 2018) können sich die beiden Biologischen Stationen nun noch intensiver um den Erhalt und die Förderung der botanischen Raritäten kümmern.

 

 

 

 Echter Sellerie (© ABU Soest)

 Echter Sellerie

 

Alpengänsekresse (©  Richard Götte)

 Alpengänsekresse

 

Guter Heinrich

 Guter Heinrich


 

 

 

 

Mehr als hochseltene Vorkommen am Rande ihres Verbreitungsgebietes hat das Projekt Arten im Blick, die für das Überleben des Gesamtbestandes einer Art eine besondere Bedeutung haben. An den verbliebenen Wuchsorten werden die konkreten Ursachen für Rückgang und Gefährdung unter die Lupe genommen. Denn nur dann können in Abstimmung mit den Eigentümern und Flächennutzern die richtigen Maßnahmen ergriffen werden, um besonders solchen Arten zu helfen, für deren Überleben unsere Region eine besondere Verantwortung hat. Für einige Arten kann es nötig sein, ihr Überdauern durch Erhaltungskulturen, Vermehrung und Wiederaussiedlung in Zusammenarbeit mit Botanischen Gärten zu sichern.

 

Eine besondere Rolle spielt im Florenprojekt eine Pflanze, die mit deutschem wie wissenschaftlichem Namen als „Guter Heinrich“ bezeichnet wird (lat. Chenopodium bonus-henricus). Den wertschätzenden Namen trägt das Kraut wegen seiner vielfältigen Verwendbarkeit als Nahrungs-, Heil- und Färberpflanze. Seine Gefährdungssituation ist noch nicht ganz so extrem wie die anderer „Sorgenkinder“ im dem Artenschutzprojekt. Doch sind die Vorkommen sehr stark rückläufig. Mit der „Verstädterung“ der Dörfer und der zunehmenden Stallhaltung verschwanden inzwischen die meisten Wuchsorte.
Da es noch eine Reihe von Vorkommen gibt, die zudem typischerweise an Wegrändern in Dorfnähe liegen, eignet sich der Gute Heinrich als „Schirmart“ des Projekts. An seinem Beispiel wird auf die Situation der besonders gefährdeten Pflanzenarten hingewiesen und gleichzeitig besteht die Möglichkeit, dass durch die erzielte Popularität der Art bisher nicht bekannte Wuchsorte der Art bei den Biologischen Stationen gemeldet werden.

 

Eine Kooperation mit Themengärten in Olsberg-Bruchhauen und in Olsberg-Elpe ermöglicht es, ausgewählte Arten (wie z. B. den Guten Heinrich) in einer Garten-Kultur zu zeigen und im Rahmen von Führungen Interessierten vorzustellen.